Bücherliste 2018

Legende:
* = hassen      

** = dulden        

*** = unterhaltsam

**** = mögen            

***** = verehren          

1) Pink Floyd. Die definitive Biografie – Mark Blake

****

Obwohl es bereits die zweite Biografie von Pink Floyd innerhalb eines halben Jahres war, die ich gelesen habe, ist sie so gut erzählt, dass sie einen mitreißt und viele Anekdoten zu bieten hat, die man noch nicht kennt. Die 550 Seiten hätten man zwar gut um 50 kürzen können, am Ende trifft einen allerdings die Erkenntnis wie verdammt lang so ein Menschenleben ist.

 

2) …trotzdem Ja zum Leben sagen – Viktor E. Frankl

*****

Berührender, inspirierender Bericht über wahre menschliche Größe. Am Ende blieb ich beschämt zurück. Beschämt, weil es einen KZ-Überlebenden braucht, um wieder Mut zu fassen und mir meinen Sinn im Leben erneut vor Augen zu führen.

 

3) They thought they were free. The Germans 1933-45 – Milton Mayer

****

Ein amerikanischer Journalist mit wissenschaftlicher Unterstützung und zehn kleine deutsche Männer – Nazis – die ihm ihre Lebensgeschichte erzählen. Der Versuch anhand des „ordinary German“ herauszufinden wie es zum Nationalsozialismus kommen konnte, offenbart neue Blickwinkel, die wieder hoch aktuell sind. Erschien erstmalig 1955 und wurde 2017 neu aufgelegt.

 

4) Lob der schlechten Laune – Andrea Gerk

***

Unterhaltsame Aneinanderreihung von Anekdoten, fiktiven und realen Vertretern schlechter Laune und der Vorzüge selbiger. Die ersten 200 Seiten hoben meine Stimmung, ehe die Eintönigkeit und mangelnden neuen Erkenntnisse zu Fadesse führten und die letzten 100 Seiten in die 2-Sterne Kategorie abdrifteten.

 

5) Gegen das Licht – Kenneth Grant

**

Okkulter Roman, der eigentlich alles beinhaltet, was das magische Herz freut: Lebensbaum, Qlipoth, Crowley, Austin Spare, Seth, Hexen, die Göttin Isis, Lovecraft usw. Der Schreibstil (oder die Übersetzung) gefällt mir allerdings nicht. Das richtige Buch zur falschen Zeit. (Vor 4 Jahren hätte es wahrscheinlich 4 Sterne bekommen.)

 

6) Die große Regression – edition suhrkamp

***

In Beiträgen wird der Zustand unserer (politischen) Welt analysiert. Informierend und interessant, durch die unterschiedlichen AutorInnen kommt es allerdings zu zahlreichen Wiederholungen.

 

7) Mordor kommt und frisst uns auf – Ziemowit Szczerek

***

„Inspiriert von Jack Kerouac und Hunter S. Thompsons „Fear and Loathing in Las Vegas””, heißt es auf dem Buchdeckel. Leider können die lieblos aneinander gereihten, unterhaltsamen Roadtrip-Anekdoten aus der Ukraine nicht annähernd mithalten. Gut geschrieben sind sie dennoch.

 

8) Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand – Timothy Snyder

***

Ausdrucken, aufhängen, verinnerlichen! Hilfreich, auch wenn ich nicht mit allen konform gehe.

 

9) NOD – Adrian Barnes

***

Aus unerklärlichen Gründen hören die Menschen auf zu schlafen und verwandeln sich binnen Tagen in wache Zombies. Der Hauptcharakter bleibt ein „Sleeper“ - eine seltene Ausnahme. Was interessant klingt, verwandelt sich in einen klassischen Endzeit-Roman. Hätte es spannender gefunden wäre das Buch aus Sicht eines „Awakened“ geschrieben.

 

10) Freiheit ist ein ständiger Kampf – Angela Davis

****

Interviews, Vorträge und Essays einer der bekanntesten amerikanischen FreiheitskämpferInnen über Rassismus, Sexismus und Unterdrückung. Trotz etlicher Wiederholungen in den Beiträgen spannend, aufschlussreich und erschreckend.

 

11) Warum wir Irre wählen – Roman Maria Koidl

****

Pointierte Betrachtung der Gegenwart samt Ausblick in die Zukunft, in der große Umbrüche auf uns warten. Obwohl der Autor das mir verhasste Wort „postfaktisch“ gerne verwendet. Leseempfehlung!

 

12) Hello America – J.G. Ballard

**

100 Jahre nach der Evakuierung hat sich Amerika östlich der Rocky Mountains in Wüste und westlich in Regenwald verwandelt. Eine Expedition landet in New York und durchquert in langweiliger Erzählung den Kontinenten ehe das ganze in einem absurden Höhepunkt in Las Vegas gipfelt.

 

13) Der Festungsgraben. Flucht und Migrationspolitiken im Mittelmeerraum – Bernhard Schmid

****

Interessantes Fachbuch an dessen Ende man zwar schlauer ist, aber mehr denn je weiß, dass es in der Thematik keine einfachen Lösungen geben kann. Schmid behandelt nacheinander jedes nicht europäische Land, das ans Mittelmeer grenzt. Für mich sehr lehrreich.

 

14) Der Report der Magd (Handmaid’s Tale) – Margaret Atwood

***

Brilliant geschrieben, allerdings fand ich den Aufbau bzgl. Dramatik und Spannung bei der Serie besser.

 

15) Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will was er will – Sandra Konrad

****

Spannend, erschreckend und interessant zugleich. Ich erkannte mich oft wieder und fühlte mich zeitweise ertappt. Wird einige in ihren Ansichten herausfordern, Feminist*innen werden einige Inhalte bereits wissen.

 

16) Right where you are sitting now – Robert Anton Wilson

****

Robert Anton Wilson hat schon lange einen besonderen Platz in meinem Herzen. Selten liest man so optimistische, kreative und lustige Ergüsse. Ein Wilson Buch ist ein High, ein Rausch des Selbstdenkens und der Inspiration. Auch dieses.

 

17) 2023 – a trilogy by The Justified Ancients of Mu Mu

****

Wer die Illuminatus! Trilogie von Robert Anton Wilson mag, wird 2023 lieben. Eine durchgeknallte, lustige Geschichte mit zahlreichen Anspielungen sorgt für Gehirnumdrehungen und neue Sichtweisen.

 

18) Gegen den Hass – Carolin Emcke

**

Grundsätzlich interessant, aber wenig Neues und nichts, was dauerhaft Eindruck hinterlässt. Vielleicht bin ich mittlerweile auch übersättigt und zu Tode deprimiert von all den politischen Büchern, die meinem Verlangen nach guter Laune diametral entgegenstehen.

 

19) Frauen, die schreiben, leben gefährlich – Stefan Bollmann

**

Kurze Vorstellung mehr oder weniger bekannter Autorinnen, die jedoch an der Oberfläche bleiben und wenig Bezug zur Gegenwart erkennen lassen. Leichter Einstieg, um sich zu informieren, leider nicht mehr.

 

20) Bullshit Bingo. Storytelling für Werbetexte – Albert Heiser

**

Das Buch habe ich für die Arbeit gelesen. Gegen den Inhalt ist wenig einzuwenden, aber die Beispiele waren mir zu uninspiriert und haben mich teilweise auf Grund der Mann-Frau Stereotypen, die bedient werden, abgestoßen.

 

21) Kindred – Verbunden – Octavia E. Butler

*****

Octavia E. Butler hat als schwarze Autorin das Science-Fiction Genre revolutioniert. Deprimierender und dunkler als jede Dystopie, die ich bisher gelesen habe, schlich sich diese Geschichte in meine Träume und verwandelte sie in ein Ungeheuer, das mich so lange gefangen hielt, bis ich das Buch fertiggelesen habe.

 

22) Die gelbe Straße – Veza Canetti

**

Geschichten, die mich für einige Stunden in eine frühere Zeit eintauchen ließen, zu denen ich allerdings bis zum Schluss nicht ganz den Zugang fand. Ich bleibe etwas ratlos zurück und hätte dieses Buch gerne mehr geschätzt.

 

23) In Schopenhauers Gegenwart – Michel Houellebecq

*

Ich schätze die Bücher von Houellebecq wirklich sehr, aber dieser kurze Aufsatz ist ein Witz in Buchform. Die 76 Seiten sind so lose bedruckt, dass sie maximal 60 Seiten ausmachen und davon sind gut die Hälfte Schopenhauer-Zitate. Bleiben 30 Seiten Anmerkungen des Autors, dem ich nach der Lektüre am liebsten den Kopf tätscheln würde, um ihn zu versichern, dass ja eh alles in Ordnung ist.

 

24) Vulva. Die Enthüllung des unsichtbaren Geschlechts – Mithu M. Sanyal

**

Richtig interessant, wenn es beim Thema bleibt, schweift das Buch leider häufig zu weit ab.

 

25) Kurze Geschichte des Traktors auf Ukrainisch – Marina Lewycka

*

Eine Frau muss mit ansehen, wie ihr 84-Jähriger ukrainischer Vater eine 36-Jährige Frau heiratet, um ihr den Aufenthalt in Großbritannien zu ermöglichen. Diese „bedankt“ sich mit immer höheren Ansprüchen und quält den alten Herren. Deprimierender Realismus, hat mir nicht gefallen.

 

26) Meine Mutter: Dämonologie – Kathy Acker

**

Spätwerk der als „Erbin Burroughs“ bezeichneten Kultautorin schafft es weder mich zu schocken, noch mitzureißen. Die Cut-up Episoden lösen leider wenig in mir aus, die explizite Sprache schätze ich, sie beschreibt allerdings viel bereits Gelesenes.

 

27) Zuhause ist überall – Barbara Coudenhoven-Kalergi

****

1932 in Prag geboren, erzählt die Journalistin und Auslandskorrespondentin über ihr Leben, das Vorkriegs-Prag, Vertreibung, Nachkriegs-Österreich, das kommunistische Tschechien, die DDR, Konflikte auf dem Balkan und in Polen einschließt. Ihre Beschreibungen lassen nacherleben, schließen geschichtliche Lücken und geben ein Gefühl dafür, wie lange ein Menschenleben dauert.

 

28) Angela Davis. Eine Frau schreibt Geschichte – Klaus Steiniger

*

Als Biografie von Angela Davis vorgestellt, entpuppte sich dieses Buch als Gerichtsprozessbeschreibung eines DDR-Journalisten, die aber erst ab Seite 113 (von 172) beginnt und die DDR für meinen Geschmack zu sehr erhöht.

 

29) Kleiner Mann – Was nun? – Hans Fallada

***

1932 verfasst, beschreibt Fallada den gesellschaftlichen Abstieg eines Angestellten. Es dauerte lange bis ich mich an die Gepflogenheiten der vergangenen Zeit gewöhnte, am Ende wurde es aber spannend. Außerdem entzückten mich lange nicht gehörte deutschen Wörter wie z.B: kieken (was kiekste so?), Backs (ich geb dir gleich einen Backs) und dalli (Mach ein bisschen dalli!).

 

30) Dämmerung. Erster Roman der Xenogenesis-Trilogie – Octavia E. Butler

***

Spannender, klassischer Science-Fiction Roman, für meinen Geschmack zu fantastisch. Die Beschreibungen der fremden Wesenheiten und Gegebenheiten benötigen sehr viel Platz, was sich in den beiden anderen Teilen der Trilogie möglicherweise erübrigt.

 

31) Sturmhöhe – Emily Brontë

****

Sonst kein Fan von Liebesgeschichten, hat dieses verzwickte Beziehungsdrama auf Wuthering Heights überraschend einen Nerv getroffen.

 

32) Roman ohne U – Judith W. Taschler

*

Abfolge von Lebensgeschichten in unpoetischer Sprache, die sich zu konservativen (Liebes-)Geschichten mischen. Die vorhersehbare Handlung und stereotypen Charaktere haben mich am Ende extrem genervt.

 

33) Adler und Engel – Juli Zeh

****

Eine Coming-of-Age Story inklusive Drogen und interessanter Charaktere, in so origineller Ausdrucksweise erzählt, die dafür sorgt, dass man alltägliche Dinge neu betrachtet. Erreicht fast fünf Sterne.

 

34) Ein Winter in Wien – Petra Hartlieb

**

Ich wollte dieses Buch lieben. Wirklich! Die Besitzerin meiner Lieblingsbuchhandlung hat es geschrieben und es spielt nicht nur in dem Grätzel, in dem ich wohne, sondern auch zur Zeit Arthur Schnitzlers. Leider fehlt der Liebesgeschichte jegliche Spannung. Einer der zwei Sterne ist für Charme.

 

35) Ihr sollt die Wahrheit erben – Anita Lasker-Wallfisch

****

Nüchtern berichtet die Autorin über die Schrecken, die sie in Ausschwitz und Bergen-Belsen überlebt hat. Anhand zahlreicher Briefen fühlt man mit der Cellistin, die in Ausschwitz im Lager-Orchester gespielt hat, mit und bleibt fassungslos zurück.

 

36) Eurydice in the Underworld – Kathy Acker

**

Wenn mir das erste gelesene Buch eines/r Autors/in nicht gefiel lese ich normalerweise kein zweites. Von Kathy Acker schon. Obwohl mir auch hier die immer gleichen Themen (Sex, Gewalt, SM, Missbrauch, Mutter) langweilen empfinde ich ihre Art anders zu schreiben inspirierend.

 

37) Flow und Kreativität – Mihaly Csikszentmihalyi

****

Wer sich von dem reißerisch, kitschigen Untertitel „Wie Sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen“ nicht abschrecken lässt, wird mit über 500 kurzweilig, unterhaltenden Seiten belohnt. Was verbindet kreativ erfolgreiche Menschen? Wie sind, wie arbeiten sie?

 

38) Der geteilte Himmel – Christa Wolf

****

Eine Autorin die mir zurecht schon oft empfohlen wurde und die ich jetzt erst entdecke. Spannende, clever strukturierte und faszinierend geschriebene Liebesgeschichte anhand derer sich die gesellschaftlichen Spannungen in Ostdeutschland ca. 1960 offenbaren.

 

39) Wer ist Michel Houellebecq? – Julia Encke

****

Der gelungene Versuch sich dem französischen Autor anhand seiner Werke zu nähern. Unterhaltsam und informativ.

 

40) Nachdenken über Christa T. – Christa Wolf

***

Die Geschichte einer – für ihre Zeit – außergewöhnlichen Frau, die einem aus heutiger Sicht ganz normal erscheint. Ich brauchte ca. bis zur Hälfte um reinzukommen, und musste mir einen Weg durch die schwulstige Sprache zum Inhalt pflügen.

 

41) Neustart. Aus dem Leben eines Netzaktivisten – Stephan Urbach

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Hacker und Aktivist Urbach erzählt aus seinem Leben und über seine Unterstützung der Opposition während des Arabischen Frühlings. Aus den Seiten trieft mir zu viel Pathos und beim Lesen fühlte ich mich permanent gehetzt.

 

42) 2084. Das Ende der Welt – Boualem Sansal

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Ein diktatorischer Gottesstaat in der Zukunft, dessen Bewohner/innen aus heutiger Sicht in der Vergangenheit leben. Das Buch orientiert sich dem Namen entsprechend an Orwells 1984, schaffte es aber nicht mich zu berühren oder dystopischen Ideen etwas Neues hinzufügen.

 

43) Die Schildkröten – Veza Canetti

****

Ein jüdisches Ehepaar wartet in Wien kurz nach dem Anschluss, im Kreis ihrer FreundInnen auf das lebensrettende Visum. Bedrückende Erzählung, spannend ohne Effekthascherei, mit erschreckenden Parallelen zur Gegenwart.

 

44) Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

****

Natürlich vollkommen zu Recht ein Klassiker. Absurde Ideen treffen auf verrückte Charaktere und Adams streut nicht nur eine Portion, sondern einen ganzen Sack Humor drüber. „Wieviele Straßen muß der Mensch entlangspazieren? – Zweiundvierzig.“

 

45) Masken der Illuminaten – Robert Anton Wilson

****

Okkultistische Lehren treffen auf James Joyce, Albert Einstein, C.G. Jung und Schrödingers Katze. Niemand schafft es so wie Robert Anton Wilson meinen Kopf dermaßen zu verdrehen. Am Ende weiß man nicht mehr wo oben und unten ist, aber lächelt trotzdem.

 

46) Die Außerirdischen – Doron Rabinovici

*****

Die Außerirdischen landen und die Menschen verhalten sich wie Menschen. Ich habe staunend mit dem Kopf geschüttelt, gelacht und war am Ende ernsthaft verstört. Dringende Leseempfehlung!

 

47) Der große Pan – Arthur Machen

***

Mystisch, geheimnisvolle Erzählungen von denen sich schon H.P. Lovecraft inspirieren ließ. Schön, um für ein paar Stunden zu versinken.

 

48) Völker dieser Welt, relaxt! – Tom Robbins

****

Obwohl mich die sexuellen Anspielungen - was er mit seiner 16-Jährigen Stiefschwester anstellen will - ebenso genervt haben wie die Beschreibung des Rollstuhls als Frauenmagnet (oh common!) liebe ich den Schreibstil und schätze die verrückten Ideen dieses wahnsinnigen Buchs.

 

49) Provokative Therapie – Farrelly, Brandsma

**

Fachbuch über Provokative Therapie. Spannender Ansatz mit längst überholten Fallbeispielen. Therapie von Homosexuellen auf Grund ihrer sexuellen Vorliebe? Therapie von Frauen, die Sex mit wechselnden Partner haben und nicht heiraten wollen? Verarscht ihr mich?

 

50) Running Buddha – Sakyong Mipham

***

Recht unterhaltsames Buch über Meditation und Laufen und wie man beides verbinden kann. Allerdings bringt das nur was, wenn man die Übungen auch regelmäßig macht und in der Regel bleibt es – wenn überhaupt - beim Vorhaben.

 

51) Fleischmarkt: Weibliche Körper im Kapitalismus – Laurie Penny

**

Kurzer Text darüber wie der Kapitalismus und die herrschende Ideologie weibliche Körper kontrolliert und unterdrückt. Zwischen Scham, Sexualisierung, Gewalt, Unterdrückung und widersprüchlichen Ansprüchen als kleiner Denkanstoß brauchbar, bleibt aber leider an der Oberfläche.

 

52) Ein Platz für Hot Dogs – Tom Robbins

***

Sein direkter Schreib- und Erzählstil ist wirklich beachtlich und kein mir bekannter Autor verwendet originellere Metaphern. Leider wurde ich mit der Story nicht warm. Mit Abbruch geliebäugelt wird die Geschichte ab der Mitte klarer, aber nicht gut.

 

53) Wer nicht kämpft, hat schon verloren – Grischka Voss

****

Voss schreibt über ihr Leben und das Aufwachsen als Tochter eines bekannten Theater-Schauspielers. Ich habe laut aufgelacht, meine Lieblingspassagen anderen vorgelesen und am Ende geweint. Sehr unterhaltsam, sicher noch besser, wenn man was von Theater versteht.

 

54) Töchter – Lucy Fricke

****

Zwei Frauen reisen durch Europa. Die eine, um ihren lebenden Vater den letzten Wunsch zu erfüllen, die andere, um sich von ihrem toten Vater zu verabschieden. Toll geschrieben mit guten Denkansätzen, da verzeiht man auch, wenn die Geschichte in eine andere Richtung geht als man will.

 

55) Fair Play – Tove Jansson

*

Ein Buch über die Liebe. Die Mutter der Mumins beweist in diesem autobiographisch inspirierten, kurzen Roman, dass sich das Leben von AutorInnen nur in Ausnahmefällen als gute Geschichte eignet.

 

56) Wände aus Papier – Hanno Millesi

*

Mutter, Vater, Kind, das ist der Stoff für die zehn Kurzgeschichten, die hier versammelt sind und denen ich nichts Positives abgewinne.

 

57) Unterleuten – Juli Zeh

****

Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass ich 630 Seiten über ein Dorf, dessen BewohnerInnen und die Geschehnisse dort für spannend und unterhaltsam halten könnte. Juli Zeh hat mich eines Besseren belehrt. Leseempfehlung!

 

58) Bitch Doktrin – Laurie Penny

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An Laurie Penny kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit Feminismus auseinandersetzt. In diesem Buch sind zahlreiche ihrer Kolumnen und Texte versammelt, die gut gegenwärtige Zustände analysieren, aber leider wenig konkrete Gegenstrategien beinhalten. Ein Beginn, der einlädt sich tiefer in die Materie zu begeben.

 

59) Freiheit. Wie wir den Kampf um die offene Gesellschaft gewinnen – Ralf Fücks

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Eine Kampfschrift für Demokratie und Kapitalismus, gegen rechts und links – das Bashing gegen links in meinen Augen völlig überzogen. Die konkreten Tipps auf den letzten zwei Seiten dienen der Rechtfertigung des Untertitels und sind weder neu noch sonderlich hilfreich.

 

60) Die Zuhörerin – Tove Jansson

*

Auch beim zweiten Versuch kann ich mit Janssons Erzählungen aus einer anderen Zeit nichts anfangen. Unprätentiöse Sprache beschreibt wenig Handlung. Nein danke.

 

61) Gonzo Judaism – Rabbi Niles Elliot

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Die, von Hunter S. Thompson ins Leben gerufene, Gonzo-Herangehensweise trifft auf eine Weltreligion. Kann das funktionieren? Allerdings! Ein Rabbi beschreibt wie das Judentum einen Weg ins 21. Jahrhundert und in die Herzen der nichtgläubigen Juden finden könnte. Interessant.

 

62) Elsas Großväter – Susanne Scholl

***

Anhand von Briefen verfolgt Elsa die Flucht ihres Vaters vor den Nazis und die Geschichte der in Österreich verbliebenden Großeltern nach. Während des Lesens bricht der Jugoslawienkrieg aus und Elsa zieht Vergleiche zur Gegenwart. Als LeserIn tut man es Elsa nach, auch wenn die Gegenwart eine andere ist.

 

63) Corpus Delicti. Ein Prozess – Juli Zeh

****

Eine Frau, die nach dem Tod ihres Bruders nur in Ruhe gelassen werden will, wird zur symbolischen Kämpferin gegen einen totalitären Staat der Zukunft - der seinen BürgerInnen Gesundheit befiehlt. Süchtigmachend.

 

64) Traurige Freiheit – Friederike Gösweiner

**

Deprimierend, fade Coming-of-Age-Story einer 30-Jährigen, in der niemand heranwächst oder erwachsen wird.

 

65) Emma schweigt – Susanne Scholl

****

Österreichische Pensionistin trifft auf tschetschenische Schutzsuchende mit Sohn. Charmante österreichische Version von T.C. Boyles „América“. Mit Gänsehautmomenten! Sehr super!

 

66) Der Fremde in uns – Arno Gruen

**

„Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe.“ Diese Die-Ärzte-Zitat fasst das Buch gut zusammen. Psychoanalytiker Gruen beschreibt warum Menschen ihren Selbsthass auf andere projizieren. Wenig Neues. Mir fehlen konkrete Lösungsansätze.

 

67) Glück ist was für Augenblicke – Christine Nöstlinger

***

Nöstlinger erinnert sich in diesem Buch genauer an ihre Kindheit als ich an letzter Woche. Lustige Anekdoten, pragmatisch erzählt, unterhaltend. Trotzdem fehlte mir etwas, das ich nicht benennen kann.

 

68) Nullzeit – Juli Zeh

****

Drei Personen, eine Geschichte, zwei Versionen davon. Spannende Dreiecksgeschichte in der es um Leben und Tod geht, wie immer – bei Juli Zeh üblich – toll erzählt.

 

69) Ich habe recht, auch wenn ich mich irre – Carol Tavris, Elliot Aronson

****

„Warum wir fragwürdige Überzeugungen, schlechte Entscheidungen und verletzendes Handeln rechtfertigen“, verspricht der Untertitel als Mehrwert und exakt das lernt man. Sehr informatives, unterhaltsames Fachbuch über kognitive Dissonanz (mein psychologisches Lieblingsphänomen), das nicht nur hilft andere, sondern vor allem auch sich selbst zu verstehen.

 

70) Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen – Anatol Stefanowitsch

**

Dünnes Heftchen über ein spannendes Thema, das leider zu sehr an der Oberfläche bleibt. Hätte mich mit den Argumenten gerne eingehender auseinandergesetzt.

 

71) Salomes siebter Schleier – Tom Robbins

***

„Mein Herz ist eine lateinamerikanische Imbißbude. Und deine Liebe ein Gesundheitsinspektor aus Zürich.“ Solche Sätze schreibt nur Tom Robbins und dafür schätze ich ihn. Seine Geschichten gehen mir trotzdem fürchterlich auf die Nerven. In dieser kamen eine sprechende Socke, Dose, Muschel, ein sprechender Stock und Löffel vor – für mich zu viel Fantasy.

 

72) Elternteile – Monica Isakstuen

**

Frau heiratet, kriegt Kind, verlässt Ehemann, teilt mit ihm das Sorgerecht und fühlt sich ein ganzes Buch lang scheiße. Das ideale Buch, wenn man schlechte Laune bekommen will. Die darin beschriebene Lebensrealität ist meiner allerdings noch ferner als sprechende Socken (siehe Nr. 71).

 

73) Pu der Bär. Gesamtausgabe – A. A. Milne

**

Eigentlich ist das Buch außer Konkurrenz und natürlich fabelhaft – für Kinder. Als Erwachsene fällt es mir etwas schwer 300 Seiten Kinderbuch zu lesen und begeistert zu sein, allerdings habe ich es ohnehin als Recherche für den Film Christopher Robin (mit Ewan McGregor und Winnie Pooh) gelesen, um alle Verweise aufs Buch zu verstehen. Vielleicht hätte ich das englische Original der Übersetzung vorziehen sollen.

 

74) Spieltrieb – Juli Zeh

**

Zwei obergescheite Teenager, die die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und sich in das Leben eines Lehrers einmischen. Das philosophische Geschwafel der Halbwüchsigen ging mir furchtbar am Sack. Das erste Buch von Juli Zeh mit dem ich nichts anfangen konnte. Aber wie immer gut geschrieben.

 

75) Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung – Bernhard Pörksen

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Von dem Buch habe ich mir Lösungsansätze erwartet, um mit der persönlichen Gereiztheit umzugehen. Die bietet es nicht- Die Analysen sind interessant, viele Beispiele waren mir aber aus Jon Ronsons Buch „So you’ve been publicly shamed“ bekannt. Als angekündigten „Wege“ entwirft Pörksen Utopien, die den gegenwärtigen Gefühlen leider nicht helfen.

 

76) Bitterfotze – Maria Sveland

****

Eine junge Mutter verbringt eine Woche allein auf Teneriffa und reflektiert, was sie so bitterfotzig gemacht hat. Ihre gleichberechtigte Beziehung scheitert an der Realität der Elternschaft und gesellschaftliche Rollenvorstellungen nehmen auf persönliche Befindlichkeiten keine Rücksicht.

 

77) Blackbox – Benjamin v. Stuckrad-Barre

***

Mit viel Wortwitz gießt Stuckrad-Barre alltäglich-mondänes in Kurzgeschichten, die mal gelingen, mal langweilen. Knappe drei Sterne, einen zusätzlich für Humor.

 

78) Peach – Emma Glass

****

Ich weiß nicht wirklich was ich von dem Buch halten soll, denn es ist so über den Maßen anders als alles was ich bisher gelesen habe. Hier trifft die Rohheit von Clive Barker auf die Experimentierfreude von Valerie Fritsch. Das Ganze ist nicht ausgereift und höchst wunderlich, aber auch irgendwie faszinierend.

 

79) Der Mond über der Eisbahn – Alice Munro

***

Literaturnobelpreisträgerin Munro beschreibt in diesen 11 Kurzgeschichten die Charaktere so gut, dass sie verschwendet wirken. Die Geschichten enden einfach und lassen einen nach mehr lechzend zurück. Mir wäre das ganze auf Romanlänge lieber.

 

80) Bot. Gespräch ohne Autor – Clemens J. Setz

****

Eine Publizistin stellt Fragen, die per Zufallssuche im Journal des Autors beantwortet werden. Das Ergebnis ist witzig, unterhaltsam und lehrreich. Manche Antworten passen perfekt, manche lenken von der Frage ab und viele scheinen sich über die Bemühungen der Publizistin lustig zu machen. Originell.

 

81) Treideln – Juli Zeh

****

Juli Zeh schreibt in E-Mails, Briefen und Nachrichten übers Schreiben. Witzig, ehrlich und inspirierend, vor allem für jene die selbst schreiben.

 

82) angst vorm fliegen – Erica Jong

***

„ein klassiker der erotischen frauenliteratur“, heißt es auf dem Buchrücken und genau unter dieser Prämisse muss man das Buch auch lesen. Aus jedem zweiten Satz schreit das Jahr 1973, in dem das Buch erschien. Das ist okay. Ein vergnügliches Abtauchen in eine andere Zeit, in der man auch einiges über die Gegenwart lernt.

 

83) wir schlafen nicht – kathrin röggla

**

Ein Buch über jenen Teil der Arbeitswelt, den ich so sehr verachte, dass ich mich nicht mal in Buchform mit ihm auseinandersetzen will. Ich hatte von der ersten bis zur letzten Seite schlechte Laune. Einen Zusatzpunkt für den außergewöhnlichen Stil, zehn Nervpunkte für die konsequente Kleinschreibung.

 

84) No more bullshit. Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten – Sorority (Hg.)

*****

Bravo! Ein fabelhaftes Buch. Unbedingt lesen!

 

85) Nachts sind das Tiere – Juli Zeh

****

Tagesaktuelle, politische Essays mit vielen Denkanstößen. Juli Zeh schreckt nicht davor zurück sich als Autorin politisch zu positionieren und Fragen zu stellen. Gut so. Da stört es auch nicht, dass einige Essays schon älter sind.

 

86) Die Identität – Milan Kundera

*

Eine Frau erhält Briefe eines vermeintlich Unbekannten, der ihr schreibt, dass er ihr nachspioniert und sie beobachtet, woraufhin sie erotische Fantasien mit dem Unbekannten hat. So was fällt wirklich nur einem Mann ein. Nein, einfach nein! Kundera sollte mal Frauen zuhören, die über Stalking und Belästigung sprechen, er würde viel lernen.

 

87) Das Guantanamotagebuch – Mohamedou Ould Slahi

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Wie bewertet man einen wahren Bericht der von furchtbaren Dingen handelt, die einem Unschuldigen über viele Jahre angetan wurden? Beim Lesen fühlte ich mich irgendwie mitschuldig und wollte die ganze Zeit „I’m sorry!“ flüstern. Trotzdem hielten die großflächigen Schwärzungen Slahis Aussagen auf Abstand und verhinderten echte Betroffenheit.

 

88) Jedermann – Hugo v. Hofmannsthal

*

Wer in diesen veralteten Zeilen noch etwas Zeitgemäßes herausliest hat entweder nicht richtig gelesen oder hängt unverbesserlich am Christentum wie ein flennendes Kind am Hosenbein der Mutter. Es wird Zeit erwachsen zu werden, die Story in die Tonne zu treten und aktuelle Geschichten zu erzählen.

 

89) Underground Railroad – Colson Whitehead

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Beim Versuch der Sklaverei zu entfliehen stellt Cora fest, dass sich die Ketten, die sie halten, fest in ihren Geist krallen. Die Underground Railroad als konkrete Fluchtmöglichkeit und Hoffnung auf die Freiheit. Aber wann ist man wirklich frei? Leider franst die Geschichte auf Grund der vielen Charaktere an den Seiten aus und büßt ihre Durchschlagskraft ein. Octavia E. Butlers Kindred-Verbunden (siehe Nr. 21) ist das bessere Buch zu dem Thema.

 

90) Die Argonauten – Maggie Nelson

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Nelson schreibt hier über ihre queere Familie und bettet persönliche Erfahrungen in theoretische Modelle und Gedanken anderer. Wie im zweiten Teil von „I love Dick“ nervt mich dieses Zurücktreten hinter andere zwar (andere würden es als Einordnung sehen), was allerdings die Inspirative Kraft dieses Buches wieder wett macht.

 

91) China in zehn Wörtern – Yu Hua

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Dieses Buch fiel mir zufällig in der Bibliothek in die Hand. Anhand zehn Wörtern beschreibt Hua die Veränderungen in China in den letzten Jahrzehnten. Informativ und unterhaltsam.

 

92) Jeder Tag ist Muttertag – Hilary Mantel

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Das Gratis-Buch der Stadt Wien trifft auch heuer nicht meinen Geschmack. Das Sozialamt mischt sich in das Leben einer alten Frau ein, die mit ihrer zurückgebliebenen Tochter und einem Haus voller Geister zusammenlebt. Die Geschichte wirkt viel zu konstruiert und den schwarzen Humor, von dem Mantel im Interview am Ende des Buches spricht, habe ich nicht entdeckt.

 

93) Widerstand! Handbuch für Aktivisten – Michael Segalov

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Konkrete, praktische Tipps für AktivistInnen. Schöne Aufmachung, nützliche Hinweise. Bezieht sich hauptsächlich auf Deutschland und wurde leider nicht gendergerecht übersetz. Ich würde mir ein Handbuch für introvertierte AktivistInnen wünschen.

 

94) Christopher Robin. The Novelization

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Die Romanfassung des Disneyfilms, der für mich zum Film des Jahres wurde. Insofern läuft das Buch außer Konkurrenz, denn natürlich ist es fabelhaft, herzerwärmend und die zusätzlichen Szenen, die nicht im Film sind, sind super süß. Große Literatur ist es aber keine. Muss es auch nicht sein. Übrigens habe ich das Buch auch nicht gelesen, weil es mich so brennend interessiert hat, sondern weil ich es auf Englisch zu Weihnachten an jemanden verschenke, die gerade englisch lernt und ich habe tagelang die schwersten Vokabeln übersetzt, damit es ihr leichter fällt das Buch zu verstehen.

 

95) Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt – Maya Angelou

***

In diesem autobiografischen Buch beschreibt Angelou das Leben als schwarzes Kind und heranwachsende Frau im Süden der USA vor und während des ersten Weltkriegs. Ein wichtiger Bericht, der die Lebensumstände und – realitäten Schwarzer portraitiert.

 

96) Von Augenblicken und Ewigkeiten – Brigitte Guschlbauer

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Vier Monate verbrachte Guschlbauer auf der Intensivstation, sechs Wochen davon im künstlichen Koma. In diesem berührenden Bericht nimmt sie die LeserInnen mit auf eine Reise an den Rand ihres Lebens, in ihren Körper und in das kleine Zimmer, das wochenlang ihre Welt beinhaltete. Aber auch darüber hinaus, in Form von E-Mails und Erinnerungen von WegbegleiterInnen. Hat mich noch tagelang beschäftigt. Unbedingt lesen!

 

97) Der Alpdruck – Hans Fallada

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Deutschland nach Kriegsende. Fallada zeichnet anhand eines Einzelschicksals das Loch in das die gesamte Gesellschaft gestürzt ist und aus dem es sich nur mühsam wieder emporkämpft. Spannend geschrieben, interessante, bedrückende Sichtweise.

 

98) To kill a mockingbird – Harper Lee

***

Ein weiterer Klassiker der amerikanischen Literatur, der allerdings eine Weile braucht bis er in die Gänge kommt. Am Schluss wird es dann zwar spannend und interessant, alles in allem fand ich es aber zu langatmig.

 

99) Bilder deiner großen Liebe – Wolfgang Herrndorf

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Im letzten, unvollendeten Roman von Herrndorf geht es um ein Teenagermädchen, das aus der Psychiatrie ausbricht und sich zu Fuß auf den Weg macht. Erlebnisse und Träume vermischen sich und werden so schön beschrieben, dass man sich in den Bildern verliert. Schade, dass wir nie erfahren, wie es ausgegangen wäre.

 

100) Wie sollten wir sein – Sheila Heti

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Der Roman aus dem Leben – wie es im Untertitel heißt – entpuppt sich als belanglose Geschichte über Frauenfreundschaft und Kunst. Eine Generation die nur mit sich selbst beschäftigt ist und um sich selbst kreist. Fad.

 

101) Good morning, boys and girls – Juli Zeh

**

Ich mag Theater einfach nicht. Nein, auch nicht, wenn Juli Zeh die Stücke schreibt. Okay, Yellow Line mochte ich, aber die anderen drei fand ich schrecklich. In Zukunft wieder Romane.